Mit dem Moto Taxi brettere ich durch Trinidad. Mit meinem ganzen Gepäck auf dem Rücken bin ich auf dem Weg Karla zu treffen, die die knapp zweitägige Busreise vom Sucre nach Trinidad wohlbehalten überlebt hat. Seit Bali saß ich nicht mehr auf zwei Rädern.
Wie sehr ich dieses Gefühl von Freiheit, Wind in meinem Haaren und Sonne im Gesicht vermisst habe.
Trinidad ist die Hauptstadt des riesigen Departamentos Beni. Man sagt in Beni gibt es mehr Kühe als Menschen und so flach wie die Niederlande ist es auch. Genau so sagt man auch über Chuquisaca, dem Departamento dessen Hauptstadt Sucre ist, dass die Locos, also Verrückten hier herumlaufen. Lange Zeit gab es nämlich in Sucre die einzige Psychiatrie Boliviens.
Natürlich haben die Spanier dafür gesorgt, dass es in Trinidad eine Plaza mit Kathedrale, Schule und so weiter gibt. Allerdings merke ich auch gleich in Trinidad, dass der typische Versuch ein Zentrum aufzubauen, damals nicht ganz geglückt ist.
In Trinidad gibt es kaum Autos. Alle fahren auf Motorrädern und Roller durch das Städtchen. Wenn der Platz dann doch mal zu eng wird, wird eine Leiter auf den Sitz gelegt, um die Sitzfläche noch ein bisschen zu verlängern.
Karla und ich mieten uns einen schicken roten Roller für zwei Tage. Damit wären wir dann auch mobil. Tourismus gibt es nämlich keinen hier.
Darum werden wir auch ständig angeschaut, als kämen wir vom Mond.


Beim Mittagessen erkläre ich der Señora, dass ich gerne das gleiche wie Karla hätte, nur eben ohne Fleisch. Daraufhin schaut sie nicht einfach verdutzt, sondern wiederholt mich auslachend meine Aussage. Ja, hier kommen wohl wirklich keine Touristen vorbei. Dafür war unser menu del día für 10 Bolis, umso leckerer.
Sopa, Segundo und Refresco sind hier so das klassische Mittagessen. Generell wird in Bolivien mittags groß und zusammen gegessen. Refrescos sind Getränke, die meistens aus Früchten, Wasser und viel zu viel Zucker gemacht werden. Schmeckt trotzdem besser als jede Cola. Ich Blitzmerkerin habe auch übrigens in Bolivien realisiert, warum das schwarze Kultgetränk Coca-Cola heißt…

Ich übe noch kurz wie man mit Schaltung Roller fährt und dann geht es auch schon los.
Wir flitzen zu einer blauen Lagune, verbringen den Tag dort am Steg in der warmen Sonne, gehen sogar baden.
Auch wenn wir uns nicht sicher sind, ob es hier nicht auch Alligatoren gibt.
Den neu entdeckten Sommer im Herzen tragend stellen wir uns eine Playlist zusammen, die zu noch mehr Leichtigkeit inspiriert.


Nach unserem Ausflug sitzen wir auf der Plaza im Halbschatten, essen frische lauwarme Cuñapes- ein kleines Brötchen aus Yucca-Mehl und Käse. Ich bin diesen Dingern absolut verfallen, so wie Yucca im Allgemeinen. Da dachte ich, dass ich schon in Sucre den Jackpot habe, weil es auf dem Markt von reifen Papayas über knackige Äpfel und Birnen bis zu frischen Erdbeeren einfach alle gibt. Aber in Trinidad gibt es noch so viele andere Früchte, dass ich mir noch nicht einmal die Namen merken kann.
Trinidad gefällt mir, weil es sich so echt anfühlt. So ziemlich nichts wird hier kommerzialisiert. Alles ist einfach, wie es ist. Ich habe das Gefühl, dass das in unserer Welt eine echte Seltenheit geworden ist.
