Der Amazonas. Das war etwas, was sich für mich lange Zeit, so weit weg wie der Mars angehört hat.
Bis ich spontan aus dem Bauch heraus entschieden habe nicht nach Cusco zu fahren und zu Macchu Picchu zu wandern, sondern ein warmes Plätzchen in Bolivien zu suchen.
Während ich auf meiner traumhaft schönen Uyuni Tour gefroren habe, war meine Mitbewohnerin und liebe Freundin Karla im Dschungel unterwegs.
Als sie mit braunem Teint und strahlendem Lachen zurück kam und nicht aufgehört hat zu schwärmen WIE SCHÖN ES DORT WAR UND DASS ICH UNBEDINGT DORT HINFAHREN SOLL, war die Entscheidung getroffen.



Und so fand ich mich ein gute Woche später im Jeep von Trinidad nach Chuchini wieder. (Nein, ich bin nicht kurz nach Cuba oder in den Südpazifik geflogen 😉 ) Übersetzt bedeutet Chuchini „Haus des Jaguars“. Der Ort ist ein „Amazon Wildlife Reserve & Lodge“. Das hört sich jetzt ein wenig touristisch an, aber es ist so viel mehr als das. Die Familie, die dort lebt, steckt so viel Herz in dieses friedvolle wunderschöne Fleckchen Erde. Efrem ist dort schon aufgewachsen, Tierarzt und kennt die Gegend so gut wie seine Westentasche. Seine Schweizer Frau Miriam kümmert sich so aufmerksam und großherzig um die Gäste, dass ich von der ersten Sekunde an einfach nur gelassen und neugierig sein konnte.
Das waren beste Voraussetzungen für drei tolle Tage.
Dann war da noch das Wetter. Das hat mir ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten nämlich Besuch von schlechtem Wetter aus Patagonien. Und das so ziemlich die drei Tage lang. Ehrlich gesagt aber halb so wild. Es war trotzdem atemberaubend schön.


Nach einem reichlichen Frühstück mit Blick auf die Lagune, ging es am Vormittag mit Efrem in den Dschungel. Ich bin noch immer beeindruckt von der Sinnesschärfe, die ein Mensch haben kann. Ich musste bestimmt drei Minuten lang in den Bäumen nach dem Vogel oder Äffchen suchen, während er schon das nächste Tier entdeckte. Und ich dachte bis dahin, ich hätte gute Augen. Die Moskitos haben mich lebendig verspeist. Ich konnte gar nicht so richtig glauben, was wir alles entdeckt haben.
Unzählige bunte Vögel, Tukane, Affen, Ameisen, deren Biss einem Bienenstich gleicht, und frische Jaguarspuren.




Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Boot in die Lagune zum Angeln. Nun ja, das das nicht meine Lieblingsbeschäftigung wird, habe ich mir gleich gedacht. Aber wie mein Opa mir so schön beigebracht hat, soll man alles erst probieren (das war zwar auf Essen und nicht auf Angeln bezogen, aber der Transfer klappt ganz gut).
Während meine Begleitung sechs Piranhas angelte, habe ich munter den Affen in den hohen Bäumen beim Klettern zugesehen und sogar einen Alligator entdeckt. Einen Piranha habe ich dann sogar auch noch gefangen, aber direkt wieder in die Freiheit entlasssen.


Im strömenden Regen ging es am nächsten Tag über die Lagune mit einem größeren Boot auf den größeren und eigentlich Fluss. Der Hügel auf dem Chuchini liegt und damit auch die Lagune wurde nämlich einst von Menschen künstlich erschaffen.
Meine Kamera habe ich im Trockenen in Sicherheit gebracht, darum gibt es von diesem aufregend grauen Tag keine digitale Aufzeichnung.
Wir haben Flussdelfine gesehen. Das Wasser hat sich beim Baden wie eine wohlig warme Badewanne angefühlt. Eine Schlammschlacht gab’s auch noch. Und hinterher eine heiße Dusche und dampfenden Tee.

Nach einem köstlichen Abendessen hüpften wir nochmal mit Efrem und einer Taschenlampe ins Boot, um bei einem nächtlichen Ausflug in die stockfinstere Lagune die Bewohner bei Nacht zu beobachten. Die Augen der Alligatoren leuchteten im Pegel der Taschenlampe rot.
Fast wäre mir das Herz stehen geblieben, als Efrem mit einer Hand einen Alligator aus dem schwarzen Wasser zog.
Und dann durfte ich ihn auch noch selbst in der Hand halten und danach wieder in die Freiheit entlassen.



Am Morgen des letzten Tages wurde mir schon ganz schwer ums Herz. Eigentlich war mir so gar nicht nach Gehen. Aber ich hatte ja noch einen wundervollen Tag vor mir.
Miriam führt uns durch ihr kleines Museum, worin es alles zu sehen gab, was Archäologen vor einigen Jahren in Chuchini ausgegraben haben oder die Familie selbst gefunden hat.
Mittags schwang ich mich (anfangs nicht ganz so elegant mangels Übung) aufs Pferd. Auf den Pferden sind wir dann nochmal in den Dschungel geritten. Natürlich nicht ganz so spektakulär im Galopp, dafür sollte ich wohl erst einmal reiten lernen. Man stelle es sich eher vor wie Theresa auf einem Pferd, dass sie durch den Dschungel trägt. Ganz elegant im brasilianischen Sattel. Ich habe mir dann ein Loch in die Mütze gefreut, als wir ein entspannt am Baum hängendes Baby Faultier entdeckten.
Die drei Tage in Chuchini waren wundervoll. Eben zu schön, um wahr zu sein.
Und eine Ode an die Intuition.
Mehr über Chuchini hier: https://www.chuchini.org
Die meisten der wunderschönen Bilder des Eintrags sind auch von Chuchini. Hatte nicht mal eben Profiausrüstung und ne Drohne dabei. 😉