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Rückblick

Als ich im September in letzter Minute meinen Rucksack gepackt habe, habe ich Yoga und Strände Kopf gehabt- keine Berge und Wanderungen.

Zum Glück habe ich ganz intuitiv aber doch noch das ein oder andere Teil meiner Wanderausrüstung in meine Habseligkeiten gestopft. Das hat sich an einem grauen Morgen ausgezahlt gemacht.

Ganz oben auf meiner gedanklichen „Was ich Neuseeland machen möchte“- Liste stand nämlich das Tongariro Alpine Crossing. Dieser Nationalpark verdankt seine Bekanntheit was sonst, wenn nicht Herr der Ringe, da er als einer der Drehorte für den Mount Doom- zu deutsch den Schicksalberg, diente.

Wenn wir schon bei Schicksal sind, kann ich nur sagen, dass uns das Glück hold war. Bis einen Tag bevor wir uns auf zum Crossing gewagt haben, war der Park wegen einer Rāhui der Māori gesperrt. Einige Tage zuvor starb nämlich ein Wanderer im Park an einem Herzinfarkt, woraufhin die Māori den Park schlossen, um die bösen Geister zu vertreiben.

An jenem besagtem Morgen sitzen wir in einem kleinen verschlafenen Skidörfchen zwischen Schweden und Kanadiern in voller North Face Montur, mit schweren Wanderschuhen und Mützen. Und dann sitze da ich in meinem Yoga Outfit mit meinen Sportschuhe und großer Motivation. Ein groteskes Bild.

Are you prepared?

Diese Frage wurde uns oft gestellt. Mit dem Fokus auf unsere Mission zogen wir los. Der Weg beginnt einfach. Besonders grün ist es nicht. Durch ein breites Tal von vulkanischem Gestein schlängelt sich ein Fluss. Der Aufstieg beginnt. Am Fuße des Schicksalsberg, der eigentlich Ngauruhoe heißt, angekommen sind wir den Wolken ganz nah. Leider nicht weil wir uns besonders hoch befinden, sondern weil die grauen Wolken so tief sind. Der zweite Aufstieg beginnt. Der auf allen Bildern leuchtend blaue Kratersee, ist leider nicht ganz so blau.

Mit nur einem Wort kann ich die Atmosphäre dort oben, umgeben von rauem vulkanischen Gestein beschreiben. Atemberaubend.

Der Abstieg gestaltet sich nicht aufgrund mangelndem Profil der Schuhe nicht ganz leicht. Es ist windig und die Temperatur dreht sich um den Nullpunkt. Wir kommen an Schneefeldern vorbei. Dann sehen wir auf Wälder hinab, die sich scheinbar unendlich weit erstrecken. Es fängt an zu regnen. Wir ziehen tapfer weiter. Die Wanderung endet in einem märchenhaften Wald voll von moosbewachsenen Bäumen und Farn so weit das Auge reicht. Zur Feier des Tages stapfe ich über eine Schlammpfütze hinweg, rutsche aus und bekomme eine ungewollte gratis Schlammbehandlung.

19,4 Kilometer später sitzen wir erschöpft im Whirlpool, ich grinse ganz zufrieden und bin zur Erkenntnis gekommen wie sehr es mir gefehlt hat, mich von meinen Füßen tragen zu lassen.

„All that is gold does not glitter, not all those who wander are lost.“ – J.R.R. TOLKIEN
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