Und schon sind zwei Tage in Singapur vergangen. Achtundvierzig Stunden später sitze ich im Flieger nach Denpasar, Bali.
Singapur war ein „Also wenn ich schon mal dort bin, möchte ich mir auch die Stadt ansehen“- Kompromiss.
Der Gedanke an eine Stadt mit einer Skyline voller Wolkenkratzer war nicht gerade berauschend. Mich hat wohl der exotisch klingende Name und meine Neugier geleitet. Nichtsdestotrotz waren meine Erwartungen gering. Und ich wurde wirklich sehr positiv überrascht.

Der Blick von meinem Hostel am Boat Quay
Die zwei Tage in Singapur waren ereignisreich, voller neuer Eindrücke, Gedanken und Bekanntschaften.
Mein erster Gedanke auf dem Weg zu meinem Hostel war „Das sieht hier ja wie im Europa Park aus“. Diese Aussage ist hart und sicher gegenüber allen- ja wie heißen sie denn nun- Singapurianern, Singapurlern, Singapurer…- fair, aber das war tatsächlich mein erster Eindruck von dieser so unechten und doch so grünen Stadt.

Ein bisschen wie Frankfurt, nur grüner
Alles funktioniert hier mit einem Belohnungs- und Strafensystem. An jeder Ecke stehen Hinweisschilder wie man sich zu verhalten hat und wie hoch die Strafe für das Fehlverhalten ist.
Werfen wir zum Beispiel einen Blick auf die Fahrt mit der dortigen U-Bahn, der MRT. Erklärvideos weisen vor und in der MRT dich darauf hin, wie du dich hier zu verhalten hat, Fußabdrücke auf dem Boden zeigen, wo du zu stehen hast, kreative Figuren wie der „move in Martin“, der „bag down Benny“ oder die „stand up Stacey“ sollen dein Vorbild sein und den Durst vom Großstadtdschungel mit einem Schluck Wasser zu stillen kostet dich auch nur 500SG$.
Wo wir schon beim Geld sind- das Großstadtvergnügen ist absolut kein günstiger Spaß. Ein schnödes Bier kostet gerne mal 10SG$, ein Besuch in einem Restaurant ist eher nichts für ein kleines Budget. Aber auch das war überhaupt kein Problem. Mit dem richtigen Händchen gibt es nämlich auch indisches Naan Brot für 2 SG$ in den Markthallen zu kaufen und mein Jetlag lässt den großen Hunger sowieso ausbleiben.
Als ich lese, dass die Top 5 Things to do China Town, Little India, das arabische Viertel Kampong Glam, der botanische Garten in der Stadt und die künstlichen Bäume in den Garden by the Bay sind, habe ich mich schon ein wenig gefragt, was denn „wirklich“ Singapur ist.

China Town

Sultan Moschee

Little India

Botanischer Garten

Gardens by the Bay
Alle Schilder sind in vier Sprachen: Tamil, Malaiisch, Chinesisch und Englisch.
Je mehr Zeit ich in der Stadt verbringe, umso positiver wird auch mein Bild von ihr. Fast alles ist von meinem Hostel aus zu Fuß erreichbar. Ich verlaufe mich, ändere am Tag mehrmals ganz intuitiv meinen Plan, schlendere durch Straßen und sitze zum absoluten Unverständnis aller sensationslustigen Backpacker stundenlang in Hindu Tempeln, Moscheen und Buddha Tempeln und beobachte dort das bunte Treiben.
Unterschiedlichste Kulturen, Religionen und Ethnien koexistieren hier und Leben friedlich miteinander.
Problemlos kann in der Brotzeit bayrisch gegessen werden, mitten im arabische Viertel gibt es schwedische Leckereien zu erstehen und in China Town lädt eine Moschee zum Gebet ein. Das alles scheint hier ganz normal zu sein.
Wege über den Dächern der Stadt verbinden das riesige Hotel Marina Bay Sands mit der Mall und der Promenade Boat Quay. Alles ist sauber und lädt mich zum Hinsetzen ein. Über den Bänken mit Blick auf die Skyline der Stadt sind Ventilatoren angebracht- draußen mitten in Singapur. Tatsächlich stelle ich mir des Öfteren die Frage wie echt das ist, was ich gerade sehe. Riecht es nach Wald und Wiesen schaue ich mich schon nach einem Duftzerstäuber um. Wundern wir uns, warum es nirgendwo Moskitos gibt, scherzen wir darüber, dass in der ganzen Stadt ein System mit Moskitosprayzerstäubern installiert ist.
Eines meiner Highlights- und es fällt mir wahrlich nicht leicht das zuzugeben- waren die Gardens by the Bay. Abends fand dort die Mid- Autumn Lightshow statt und es war wirklich magisch. Es war ein Ausflug in einen absolut unwirtlichen Ort, eine Art Parallelwelt- friedlich und paradiesisch. Fledermäuse fliegen umher, Frauen in traditionellen Gewändern tanzen zu unbekannten Klängen. Danach ein Feuerwerk aus Lichtern in den Bäumen, das ganze Spektakel untermalt mit sanfter Musik.



Als ich abends mit Lukas und Melly, einem Koblenzer Pärchen auf Weltreise, vor der Skyline Singapurs stehe, fragen wir uns, was diese Stadt hier so besonders macht. Warum sie nicht so wirkt wie ich mir das künstliche Shoppingmallparadies Dubai vorstelle. Singapur wirkt wie ein Projekt, an dem jeder mitarbeitet. Es scheint als wolle es die Welt der Zukunft abbilden. Friedlicher, ökologischer, fortschrittlicher. Trotzdem fehlt es mir an Geschichte und dem Charme vergangener Tage, auch wenn das vielleicht Singapur ausmacht.

Singapur mag nicht ganz so exotisch sein, wie sein Name es für mich vermuten ließ.
Singapur mag nicht ganz so „westlich“ sein wie man es mir erzählte.
Singapur ist ein grüner Großstadtdschungel.
Die zwei Tage haben mir absolut gereicht, auch wenn die Stadt noch Tausende von Attraktionen bietet. Ich wollte sie aber auch nicht missen.
Jetzt beginnt der… nun ja, nennen wir ihn… der etwas kreativeren Teil.
Die Planung für die nächsten drei Wochen auf Bali endet nämlich mit diesem Flug. Mein Gefühl sagt mir, dass ich jetzt erstmal eine kleine Pause von vielen Menschen, vielen Sehenswürdigkeiten und viel Geschwindigkeit brauche. Ich schätze es geht für mich jetzt erst mal ein paar Tage nach Ubud. Mal wieder auf die Yogamatte, mal wieder Zeit Pause zu machen.
Ich entspanne für dich mit. Liebe von über den Wolken.
Resi
P.S.: Mich haben so viele warme Worte von Euch allen in den letzten Tagen erreicht. Fühl‘ dich ganz fest umarmt.
P.P.S.: Versprochen Leni, ich gehe nicht mit alten Männern mit, die mir ihre Pandas oder Äffchen zeigen wollen. 😉